Atemlos - Leiden für den Jöö-Effekt

10.04.2018 19:38:16 | Eva Waiblinger

Ein Mops, für den jeder Atemzug ein Kampf ist. Ein Mops, der vor Müdigkeit fast umkippt, aber dennoch nicht schlafen kann, weil er dann ersticken würde. Der Rachenraum eines Mopses, der so qualvoll eng ist, dass Weichteile des Gewebes in der Nase bei jedem Atemzug die Atemöffnung blockieren.
Solche Filmausschnitte zeigte Gerhard Oechtering, Klinikleiter der Hals-Nasen-Ohren-Abteilung der Kleintierklinik an der Universität Leipzig an der Animalicum-Tagung in Bre genz (16. bis 17. März 2018). Das Tagungspublikum, darunter auch einige VIETA-Mitglieder, zeigten bei diesen Aufnahmen grosse Betroffenheit. Selbst mich, nach 13 Jahren als Leiterin der Fachstelle Heimtiere des Schweizer Tierschutz STS bestens mit der Tierschutzproblematik von sogenannten brachycephalen (kurzköpfigen) Hunden und Katzen vertraut, traf die Unmittelbarkeit dieses Leidens stark.

Oechtering, der den Kampf dieser Tiere um jeden Atemzug tagtäglich miterlebt, nahm kein Blatt mehr vor den Mund: Schuld an der Misere ist die einseitige Zucht kurzköpfiger Rassen nicht mehr auf Leistungsfähigkeit und Gesundheit, sondern auf reine Äusserlichkeiten: diese Hunde sollen an Ausstellungen den Richtern gefallen, dem Rassestandard entsprechen, rundköpfig sein. Und damit sind die Atemprobleme vorprogrammiert. Wenn es nach Oechtering ginge, düften soclhe Hunde gar nicht mehr gezüchtet werden. Da nützen alle Beteuerungen entsprechende Züchter nichts, die behaupten, gesunde Tiere zu züchten, während Tiere mit Atemproblemen immer nur aus Ost-Importen stammen würden - Oechtering sieht täglich das Gegenteil, beklagte die Uneinsichtigkeit der Zuchtvereinigungen und Rassezüchter. Leider sind aber gerade jetzt solche brachycephalen Hunde wie Mops oder French Bulldog wieder gross in Mode. Was ist der Ausweg aus der Misere, aus diesem tausendfachen Leiden? Manche Züchter versuchen langnasige Rassen einzukreuzen, damit diese sogenannten Retromöpse wieder besser atmen können. Nur werden diese Tiere dann weder an Ausstellungen zugelassen noch von den Zuchtvereinigungen akzeptiert. Da bleibt verantwortungsvollen Hundehaltern wohl nur eines: auf einen Mops aus Rassezucht verzichten und sich einen Hund einer anderen Rasse oder einen Mischling anzuschaffen, der in seinem Körperbau keine Extreme aufweist - mittelgross, normal lange Nase und Beine.

Dr. sc. nat. Eva Waiblinger, Zoologin, VIETA-Vorstand

Wer zur Thematik nachlesen will: Martina Frei hat in der Sonntags Zeitung vom 8. April einen Artikel geschrieben, der sehr nachdenklich macht.
Artikel von Martina Frei in der Sonntags Zeitung vom 8. April, frei erhältlich über die #12 App/Website