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Impfverweigerung bei Heimtierhaltern

07.04.2019 15:38:59 | BLOG | Evi Waiblinger | BLOG | 1 Kommentare


Die Impf-Verweigerung erreicht die Heimtierhalter, berichtet The Guardian Australia.

Australische Tierärzte berichten in diesem Guardian-Artikel davon, dass es immer mehr Tierhalter gebe, die ihr Tier nicht impfen lassen wollten. "Sentencing their dog to death", titelt die Zeitung also "Ihren Hund zum Tod verurteilen". Viele diese Tierhalter machten sich Sorgen, dass die Impfung Nebenwirkungen habe, ihr Hund davon eine Autoimmun-Erkrankung oder gar Autismus bekomme. Zum einen existiert Autismus bei Hunden und Katzen vermutlich nicht. Vergleichbare Verhaltensänderungen entstehen nur bei massiven Entwicklungsdefiziten durch eine inadäquate Haltungsumgebung während der Aufzucht, z.B. durch fehlende Sozialisation. Zum anderen beruht die Mär, dass Impfungen Autismus auslösten, auf einer miserabel unwissenschaftlich durchgeführten Fallstudie eines englischen Arztes, die in der Folge aus der Fachzeitschrift "The Lancet" zurückgezogen werden musste.

Originalartikel im Guardian
Medizinhistorischer Übersichtsartikel über die Geschichte der Masern-Mumps-Röteln-Impfung, die angeblich Autismus auslöst (Indian Journal of Psychiatry)
Und noch etwas schärfer: Wissenschaftsjournalist Ben Goldacre ("Bad Science") über das MMR-Vakzin und Autismus

Um hier eines klarzustellen: wie jede (veterinär)medizinische Therapie haben Impfungen Nebenwirkungen. Verglichen jedoch mit der eigentlichen Krankheit, gegen die eine Impfung eingesetzt wird, ist die Schwere dieser Nebenwirkungen vernachlässigbar und ihre Häufigkeit gering. Bei Viruserkrankungen haben wir medizinisch nur diese eine Waffe der Prävention (nebst ein paar wenigen antiviralen Medikamenten). Niemand möchte seinen Hund dazu verurteilen, an Parvovirose zu sterben, oder seine Katze an Katzenseuche oder Leukose dahinsiechen sehen. Daher: regelmässiges Impfen ist als Prävention genauso wichtig wie Entwurmen und Entflohen, wenn nicht wichtiger. denn Impfen schützt nicht nur das eigene Tier, sondern auch alle Tiere in der Umgebung. Wer impft, nimmt also auch Verantwortung wahr für eine gesunde Hunde- und Katzenpopulation!

Dr. sc. nat. Eva Waiblinger, Zoologin